Home Montag, 16.11.
Universität Greifswald
Konzilsaal, Hauptgebäude, Erdgeschoss, Domstraße 11
18 Uhr
Eintritt frei
Warschau war über Jahrhunderte eine Stadt vielfältiger Sprachen, Kulturen und Religionen. Auch Menschen aus den deutschen Ländern kamen immer wieder an die Weichsel, um dort zu arbeiten, Handel zu treiben, ihren Glauben zu leben oder eine neue Existenz aufzubauen. Handwerker, Kaufleute, Geistliche und Künstler wurden zu einem festen Bestandteil der vielfältigen Stadtgesellschaft. Dr. Markus Nesselrodt, Osteuropahistoriker und Kulturwissenschaftler an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), erzählt im Rahmen des Osteuropa-Kolloquiums die Geschichte dieser deutschen und deutsch-polnischen Lebenswelten in Warschau, von der polnisch-litauischen Adelsrepublik über das 18. und 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Zugehörigkeit und Fremdheit, Migration und gesellschaftlichem Wandel: Wie lebten Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprache und Religion miteinander? Welche Beziehungen entstanden zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen? Und was bedeutete es, in einer sich wandelnden europäischen Metropole „fremd“ zu sein? Anhand ausgewählter Lebensgeschichten, insbesondere der Biografie von Samuel Fränkel, macht Nesselrodt die multiethnische Stadtgesellschaft Warschaus anschaulich. Dabei verbindet er polnische, deutsche und jüdische Geschichte und eröffnet einen differenzierten Blick auf eine Stadt, die über Jahrhunderte durch Migration, kulturelle Begegnungen und vielfältige Nachbarschaften geprägt wurde.
Der Vortrag lenkt zugleich den Blick auf eine lange Geschichte deutscher Präsenz in Warschau und im östlichen Europa, die in der deutschen Erinnerungskultur vielfach hinter der Geschichte der deutschen Besatzung und der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zurückgetreten ist.

@Valeria Lazareva
STRAZE Café, Stralsunder Str. 10, 17489 Greifswald
18:00 Uhr
Eintritt frei
Burgruinen, Skisprungschanzen, ein Geisterwald, ein „heiliger“ Baum, der Edvard Munch inspirierte, und drei Prinzessinnen, die zu mächtigen Herrscherinnen wurden … Klingt verrückt? Ist es auch, und vor allem überraschend nah!
Daniel Źródlewski, Szczeciner Kulturwissenschaftler, Journalist und leidenschaftlicher Entdecker der deutsch-polnischen Grenzregion, lädt zu einer ganz besonderen Reise ein. Gemeinsam erkunden wir Mecklenburg-Vorpommern und seine unmittelbare Nachbarschaft in Brandenburg und Westpommern – auf den Spuren ungewöhnlicher Orte, kurioser Begebenheiten und längst vergessener Geschichten. Was haben die Greifen, Edvard Munch und das Oktoberfest miteinander zu tun? Wo verstecken sich Skisprungschanzen im norddeutschen Land? Und warum braucht man für echte Abenteuer manchmal nicht einmal einen Reisepass? Mit zahlreichen Bildern, spannenden Geschichten, überraschenden Anekdoten und einer guten Portion Humor eröffnet Daniel Źródlewski neue Perspektiven auf eine Region, die uns vielleicht vertraut erscheint – und doch voller Geheimnisse steckt.
Ein Abend im Café mit Bildern, Geschichten, Anekdoten und bester Stimmung – über ein Land, das man vielleicht zu kennen glaubt, aber garantiert noch nicht so gesehen hat.
Daniel Źródlewski ist Kulturwissenschaftler, Journalist, Moderator und Kulturmanager aus Szczecin. Als langjähriger Pressesprecher des Nationalmuseums in Szczecin sowie als freier Journalist und Kulturmacher kennt er die kulturelle Landschaft der Region wie kaum ein anderer. Er gründete das Szczeciner Theater Karton, das er bis 2015 leitete. Seit 2024 ist er Vorsitzender der Jury des Theaterpreises „Bursztynowy Pierścień“. Seine besondere Leidenschaft gilt der Geschichte und Kultur Westpommerns und Mecklenburg-Vorpommerns. In seinen „Leseführern“ verbindet er historische Fakten mit persönlichen Entdeckungen, überraschenden Geschichten und einem Augenzwinkern. https://tekstyzrodlowe.pl/


STRAZE
Stralsunder Str. 10, 17489 Greifswald
20:00 Uhr
Eintritt frei
Polen | 2024 | Dokumentarfilm | 72 Min. | Regie: Dyba Lach & Adam Lach
Der Musiker und gesellschaftlich engagierte Künstler Michał Zygmunt ist zutiefst erschüttert über den Zustand „seines“ Flusses. Er beschließt, sich auf eine außergewöhnliche Reise zu begeben: Mit einem traditionellen Holzboot folgt er dem Fluss über 1.300 Kilometer – 40 Tage lang, gemeinsam mit seiner jugendlichen Tochter. Seine Reise ist ein Versuch, dem Fluss symbolisch seine Wildheit zurückzugeben. Fernab vom Lärm des Alltags taucht Zygmunt ein in eine Welt, die nicht vom Menschen bestimmt wird: in das Rauschen des Wassers, die ursprünglichen Klänge des Flusses und die Geräusche einer erwachenden Frühlingslandschaft. Er hört zu, aufmerksam, geduldig und mit allen Sinnen. Unterwegs wird die Reise zum Ausgangspunkt für Begegnungen und Gespräche über Flüsse, Natur und den Einfluss des Menschen auf fragile Ökosysteme. Immer wieder führt sie auch zur ökologischen Katastrophe an der Oder, einer der folgenschwersten Umweltkatastrophen in der jüngeren Geschichte Europas. In der Stille und Einsamkeit der Flusslandschaft beginnt Zygmunt nach einer Hoffnung für die Zukunft zu suchen: nach einem Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur, für sich selbst, für seine Tochter und für die Welt, in der beide leben.
Ich bringe dir die Wildnis ist mehr als ein Film über eine Flussreise. Es ist eine poetische und zugleich eindringliche Meditation über die Freiheit der Flüsse und die Freiheit des Menschen, über ökologische Zusammenhänge und unsere Verantwortung gegenüber der Natur. Und über die Frage, ob die Wildnis, die wir in der Landschaft verloren haben, vielleicht auch in uns selbst wiedergefunden werden kann.
Eine Veranstaltung von STRAZE in Kooperation mit dem polenmARkT e.V.
