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polenmARkT – Polnischer Kunstbasar. Ein Festival polnischer Kultur in Norddeutschland

Das Wort „polenmARkT“ wurde in Deutschland ursprünglich als umgangssprachliche Bezeichnung für Grenzmärkte in Polen verwendet, die insbesondere in den 1990er-Jahren von vielen Ostdeutschen auf der Suche nach günstigen Waren besucht wurden. Heute – nach über 27 Ausgaben – steht dieser Begriff für ein etabliertes Kulturfestival in Greifswald, das die Vielfalt, Offenheit und Modernität der zeitgenössischen polnischen Kultur auf eindrucksvolle Weise vermittelt. polenmARkT ist zum Synonym für einen „polnischen Kunstbasar“ geworden: ein lebendiger Ort der Begegnung, des Austauschs und des Dialogs zwischen den Nachbarländern.

Von der „Czajka“ zum regionalen Kulturereignis

Gegründet wurde polenmARkT 1997 von Studierenden und Lehrenden des Instituts für Slawistik an der Universität Greifswald. Die ersten Veranstaltungen fanden im studentischen Kellerclub „Czajka“ statt – einem kleinen, informellen Ort für Diskussionen über das heutige Polen. Was einst als studentische Initiative begann, entwickelte sich rasch zu einem mehrwöchigen Festival mit Konzerten, Theateraufführungen, Filmvorführungen, Lesungen, Ausstellungen, Workshops und Diskussionen. Heute ist polenmARkT fest im kulturellen Kalender der Universitätsstadt Greifswald und des gesamten Vorpommerns verankert. Das Festival bringt jedes Jahr im November Menschen verschiedenster Hintergründe zusammen – aus Wissenschaft, Kunst, Bildung, Politik und Zivilgesellschaft, aus Deutschland und Polen. Durch Kooperationen mit Partnern wie der Stadt Stettin (z. B. bei den Studentenfesten „Juwenalia“), der Philharmonie Stettin („Turnier der wahren Musiker“) oder internationalen Kulturzentren wie in Grodno und mit Ensembles wie dem Atom String Quartet ist polenmARkT heute ein grenzüberschreitendes und internationales Ereignis.

Institutionalisierung und Auszeichnungen

Veranstaltet wird das Festival vom gemeinnützigen Verein polenmARkT e.V., der sich der Förderung der polnischen Kultur und des deutsch-polnischen Austauschs widmet. Für sein langjähriges Engagement im Bereich der kulturellen Integration wurde der Verein mehrfach ausgezeichnet: mit dem Deutsch-Polnischen Preis Pomerania Nostra (2011), dem Kulturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern (2017) sowie im Jahr 2025 mit dem Kulturpreis des Landkreises Vorpommern-Greifswald.

Ein Festival für alle

polenmARkT versteht sich als offenes Festival, das sich an ein breites Publikum richtet: Studierende, Kinder, Familien, Berufstätige, Kulturschaffende und Senior*innen – Menschen aller Altersgruppen und Interessenlagen. Das Ziel des Festivalteams ist es, sowohl künstlerisch hochwertige als auch sozial inklusive Programme anzubieten.

Musik – von Jazz bis Punk

Das musikalische Programm des Festivals zeichnet sich durch Vielfalt und Qualität aus. In den vergangenen Jahren traten sowohl bekannte Stars der polnischen Musikszene als auch Nachwuchskünstler*innen und Underground-Bands auf. Die Liste ist beeindruckend: Nata & Evgeny, Olek Różanek, The Analogs, Dezerter, Armia, WC, Włochaty, Moskwa, Żywiołak, Super Potwór, P2D, Małe Instrumenty, Izrael, Kroke, Dikanda, Brygada Kryzys, Kwartet Jorgi, Atom String, Felix Kubin & The Complainer, Mosaik, BubliczkiKlezmafour, Karczmarze, Alte Zachen, Oranżada, Paula i Karol, Masala Soundsystem, Ras Luta, Junior Stress, Kuba 1200, Mesajah, Oleś Brothers, Contemporary Noise Sextet , Marek Napiórkowski Trio, Motion Trio, VooVoo, Vołosi, Kapela Maliszów, HuRaban, OHO!KOKO, Kasia Bortnik Trio, Julia Marcel, MAThe Sunlit Earth, Michał Jacaszek, Mikałaj Trzaska, Kasia Bortnik Trio, Raphael Rogiński, Shivers & Shakes, The Shipyards, False Month, Chaotic Pieces, Hubert Szczęsny, Follow Rivers, RSS Boys, DJ Czarny Latawiec, brodachè, Wojtek Więckowski, Alex Marek & Eva Sand, Kirszenbaum, Hey Hato,  Krzysztof Meisinger, Leszek Możdżerund viele weitere – von Jazz über Weltmusik bis hin zu elektronischer Avantgarde und Punkrock.

Literatur – Lesungen und Gespräche

Einen besonderen Stellenwert im Festivalprogramm hat die Literatur. Bei polenmARkT traten renommierte polnische Autor*innen auf, darunter Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, Inga Iwasiów, Martin Pollack, Jacek Dehnel, Andrzej Stasiuk, Joanna Bator, Jakub Żulczyk, Witold Szabłowski, Artur D. Liskowacki, Wojciech Kuczok, Paweł Huelle, Mariusz Czubaj, Janusz Leon Wiśniewski, Karolina Kuszyk, Matthias Kneip, Brygida Helbig, Joanna Jagiełło und viele andere. Die Lesungen dienen nicht nur der Präsentation neuer Werke, sondern sind auch Plattformen für Diskussionen über gesellschaftliche Umbrüche, Identitätsfragen, Erinnerungskultur und europäische Zukunftsvisionen. Auch die Klassiker der polnischen Literatur – wie Czesław Miłosz, Zbigniew Herbert, Marek Hłasko oder Miron Białoszewski – kommen in thematischen Veranstaltungen zur Geltung.

Interkultureller Dialog als Leitmotiv

polenmARkT versteht sich nicht nur als Kulturfestival, sondern als Plattform für den deutsch-polnischen Dialog. Ziel ist es, mit Mitteln der Kunst und Begegnung Vorurteile abzubauen, Empathie zu fördern und nachhaltige Partnerschaften im Grenzraum zu etablieren. In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Polarisierung und geopolitischer Spannungen gewinnt diese Arbeit an Relevanz und Dringlichkeit.

Im November führen alle Wege der polnischen Kulturfreunde nach Greifswald. polenmARkT ist eines der spannendsten polnischen Kulturfestivals in Nordeuropa – ein Ort des Zuhörens, Sehens, Fragens und Verstehens. Es ist ein Beispiel dafür, wie Kultur Brücken baut, Grenzen überwindet und neue Räume für Begegnung schafft – mitten im deutsch-polnischen Grenzraum.

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