Donnerstag 14.11.

18.00 Uhr

Feierliche Eröffnung  & Lesung mit Sylwia Chutnik & Brygida Helbig

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg, Martin-Luther-Straße 14

Eintritt frei

Die festliche Eröffnung des Festivals mit dem Ehrengast Sylwia Chutnik und der Verleihung des Förderpreises für deutsch-polnische Zusammenarbeit bildet den fulminanten Auftakt für 10 Tage Kunst, Kultur und Wissenschaft aus Polen in Greifswald und Vorpommern.

Sylwia Chutnik (geb. 1979), eine der bekanntesten polnischen Autorinnen, Kulturwissenschaftlerin, Warschauer Aktivistin und „radikale Hausfrau“, Gründerin und Leiterin der Stiftung „MaMa“, die sich für die Rechte der Mütter in Polen einsetzt, führt an dem Abend – wie im wirklichen Leben, da sie auch Stadtführerin ist – durch ihre Heimatstadt Warschau. Sie stellt dabei Orte und Menschen vor, die sie in ihren beiden Büchern – der Erzählsammlung „Weibskram“ (Kieszonkowy atlas kobiet) und dem zweisprachigen Reiseführer „Warschau der Frauen/Women´s Warsaw“ – behandelt. Es ist ein Streifzug der besonderen Art durch das Warschau der Frauen – durch Orte, die mit berühmten und weniger bekannten Protagonistinnen der Warschauer Geschichte und Gegenwart verbunden sind. In „Weibskram“ erzählt sie von Heldinnen des Warschauer Alltags.

Brygida Helbig (Prof. Brigitta Helbig-Mischewski) wurde 1963 in Szczecin geboren und lebt seit 1983 in Deutschland. Sie ist Autorin von Prosa, Dramatik und Lyrik, absolvierte ein Studium der Slawistik und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum und habilitierte sich 2004 an der Berliner Humboldt-Universität. Sie lebt in Berlin. Auf Deutsch erschien zuletzt ihr Roman "Kleine Himmel".

Einen weiteren Höhepunkt stellt die festliche Verleihung des Förderpreises für deutsch-polnische Zusammenarbeit an der Universität Greifswald dar. Mit dem Förderpreis wird die Forschungsarbeit junger Wissenschaftler*innen ausgezeichnet, die im Rahmen einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit entstanden ist oder einen bedeutenden Beitrag im Kontext der deutsch-polnischen Beziehungen leistet.

Zum Abschluss wird beim traditionellen Buffet noch Zeit und Raum für Begegnungen bleiben, um den Eröffnungsabend ganz im Zeichen des kulturellen Austausches ausklingen zu lassen.

Der Abend wird musikalisch umrahmt von OHO!KOKO.

Weibskram / Warschau der Frauen. Lesung mit Sylwia Chutnik und Brygida Helbig

Vier Lebensgeschichten sind es, die Sylwia Chutnik zusammenführt. In ihrem Werk schafft sie Raum für weibliche Perspektiven, Erfahrungen und Sichtweisen, für den Anteil von Frauen in der polnischen Geschichte, die man so in den Meistererzählungen der männlichen polnischen Autoren nicht findet. Schauplatz ist der Warschauer Stadtteil Ochota, ein „Arbeiterbezirk voll mit Arbeitslosen“. Akribisch festgehaltenes Lokalkolorit, Streifzüge durch Labyrinthe des Alltäglichen ebenso wie des Absonderlichen, dargestellt mit einem Naturalismus, der es in sich hat. In den Namen der vier Hauptfiguren – Mania, Maria, Marian, Marysia – klingt ein Echo der Gottesmutter, die seit dem 17. Jahrhundert als Königin Polens gilt. Und in den Ironisierungen religiös überhöhter Frauenbilder vollzieht sich ein Abschied von der Ikone „Matka Polka“ (Mutter Polin), deren Wirkungsmacht aus der Geschichte der Okkupationen und Aufstände heraus zu verstehen ist. Das Besondere an Sylwia Chutniks Perspektive ist, dass sie mit allem Nachdruck die persönlichen Erinnerungen des Individuums zur Sprache bringt, um an ihnen die Last der Geschichte spürbar zu machen. Maria beispielsweise, die Hauptfigur im Kapitel „Meldegängerinnen“, die an beiden Warschauer Aufständen teilgenommen hat, verschweigt ihre jüdische Identität, weil sie Diskriminierung von Seiten katholischer Polen fürchtet. Und die Mauer-Aufschriften „Jude raus!“ hält sie lange für „Originale“ aus der Zeit der Okkupation, die bewusst belassen wurden – den kommenden Generationen zur Mahnung. Damit sind, zwischen den Zeilen, nicht nur Jahrzehnte ideologisch manipulierter Geschichtsbilder der Volksrepublik aufgerufen, sondern ebenso auch die seit 1989 in Polen geführten Diskussionen um den Zweiten Weltkrieg und die Shoah.

OHO!KOKO

Kulturbar -Cafe & Atelier-

Lange Str. 93

22 Uhr

Eintritt frei

OHO!KOKO ist ein polnisches Musikduo, das seit 2011 tätig ist. Die Band setzt

sich zusammen aus Alicja Kruk, die für die Songtexte und den Gesang zuständig ist,und Marek Szul, dem Gitarristen, Komponisten und Produzenten. Ihr künstlerisches Schaffen entzieht sich jeglicher Klassifizierung. Sie haben sich ihren eigenen originellen Musikstil erarbeitet, ein Mix aus Pop, Soul, Elektro und Rock. Überraschend ist, dass, obwohl es sich bei ihnen um ein Duo handelt, sie trotzdem wie eine Band klingen. Dies verdanken sie sowohl ihrem eigenen Erfindungsgeist, als auch der Loop Station, dem Gesangsprozessor und verschiedenen Gitarreneffekten. Auf ihrem Konto haben sie bereits den Grand Prix des Festivals Junger Talente in Stettin, den 2. Platz bei der polnischen Version des Emergenza Festivals, sowue einen Auftritt auf dem Filmfestival FiSH in Rostock. Darüber hinaus hat das Duo auch an den Castingshows „Mam Talent“ (die polnische Version des Supertalents) und „Must Be The Music“ teilgenommen.