Samstag 18.11.

nordoststreifen: Der besondere Film im PLM

Film

17 Uhr

Pommersches Landesmuseum, Rakower Str. 9

Eintritt: 3,50  Euro

„Die Spur“/ "Pokot" (Pl/ D/ S 2017, Regie: Agnieszka Holland, 128 Min., ab 16 Jahren)

Eine Reihe von Morden bringt ein idyllisches Bergdorf im Süden Polens in Aufruhr. Die Opfer: allesamt passionierte Jäger. Von einem menschlichen Täter fehlt jede Spur, aber an allen Tatorten haben Wildtiere ihre Fährten hinterlassen! Bald fällt der Verdacht auf Janina Duszejko, pensionierte Bauingenieurin, Kämpferin für Tierrechte und einzige Vegetarierin der Gegend … Der waghalsige Mix aus komischer Detektivstory, spannendem Ökothriller und satirischem Kommentar zur aktuellen Lage in Polen beruht auf dem Roman „Der Gesang der Fledermäuse“ von Olga Tokarczuk. Silberner Bär der Berlinale 2017

Ein Angebot der Kulturreferentin für Pommern und Ostbrandenburg

Gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

20.00 Uhr

Lesung

Koeppenhaus; Bahnhofstraße 4

Eintritt 5/3 EUR

Emilia Smechowski
„Wir Strebermigranten“ 

Emilia war noch Emilka, als ihre Eltern sie eines Abends ins Auto setzten – raus aus dem grauen Polen, nach Westberlin! Das war 1988. Kurz darauf hatte sie einen neuen
Namen, eine neue Sprache, ein neues Land. Sie lernte zu vergessen, woher sie kam – doch heute spricht sie mit ihrer eigenen Tochter Polnisch.
Mit fünf Jahren war Emilia Smechowski in einem polnischen Plattenbau zu Hause und ahnte nicht, dass ihre Eltern von einem besseren Leben träumten: im Westen. Nur zwei Jahre
später waren sie Deutsche, und aus dem Traum war der tägliche Kampf geworden, bloß nicht aufzufallen, sich perfekt zu integrieren. Wenn die neuen Kollegen zum Essen kamen,
gab es nicht etwa Piroggen, sondern Mozzarella und Tomate. Und als Emilia ein Deutschdiktat mit zwei Fehlern nach Hause brachte, war ihre Mutter entsetzt: Was war schiefgelaufen?
Aus keinem Land sind in den vergangenen Jahrzehnten mehr Menschen nach Deutschland gekommen als aus Polen. Und keine andere Einwanderergruppe war so sehr darauf bedacht,
sich unsichtbar zu machen. Emilia Smechowski erzählt die persönliche Geschichte einer kollektiven Erfahrung: eine Geschichte von Scham und von verbissenem Aufstiegswillen, von Befreiung und Selbstbehauptung.
 
Emilia Smechowski, 1983 in Polen geboren, floh mit ihrer Familie 1988 nach Westberlin. Sie studierte Operngesang und Romanistik in Berlin und Rom, bis sie im Journalismus
landete. Sie war Redakteurin der tageszeitung und arbeitet heute als freie Autorin und Reporterin, u.a. für Geo, Süddeutsche Zeitung und DIE ZEIT.
Bei Twitter: @emilia_owski
 
Ein Angebot des Literaturzentrums Vorpommern im  Koeppenhaus in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung M-V.



 

T´ien Lai (Bydgoszcz) Psycho-Tribal-Elektronik live

& Elektronische Aftershow-Party mit DJ Calvin (Boogiebrain, Szczecin)

Ort: IkUWO, Goethestr. 1

21:00 Uhr

Eintritt: 9/7 Euro

T´ien Lai arbeiten in der langen Tradition experimentierfreudiger Musik in Bydgoszcz, für die vor allem der Klub Mózg steht, der schon in den 1990ern eines der Zentren für die Jazz-Erneuerungsbewegung Yass war. Im Kern ein Duo, nämlich Kuba Ziołek and Łukasz Jędrzejczak, changiert das Band- und Klanggefüge beträchtlich, denn permanente Wechselwirkung in veränderlichen Rollen scheint eine der Grundregeln dieses Musiker-Kreises zu sein, der sich hinter dem Begriff „Millieu L'Acephale“ verbirgt. Neben T'ien Lai und Stara Rzeka, dem psychedelischen Solo-Projekt von Kuba Ziołek, wären da unter anderem offene Bandprojekte Alameda 3 und 4, Jachna/Buhl, Glabulator, das Innercity Ensemble, Piotr Bukowski mit Hokei & Xenony, Kapital oder Selected Works zu nennen. Eine Großzahl davon veröffentlicht beim mittlerweile international anerkannten Label Instant Classic aus Kraków, T'ien Lai hingegen aber beim nicht minder wahrgenommenen Warschauer Label Monotype, das für seine elektronischen Avant-Sounds gewertschätzt wird.“Magical brutalism“ ist eines der Tags, das T'ien Lai den schwer zu kategorisierenden eigenen Sounds verleihen. Wer will, kann sicher auch Bezüge zu progressiver Psychedelic oder Krautrock heraushören. Es ist auf jeden Fall eine äußerst freie Form, die zuletzt eine stete Tendenz zu pulsierenden Trance-Rhythmen aufweist, wie auf dem letzten Album „RHTHM“ nachzuhören ist und live die Avantgarde auf den Dancefloor holt. Im Konzert erschaffen an einer Unzahl an analoger Gerätschaft und diversen Percussion-Instrumenten, wobei die manisch agierenden Musiker wie zu einem geheimnisvollen Initiationsritual hinter Masken verborgen sind, eine Zelebration, die einen durchaus mitreißen kann, inklusive Ekstase-Gefahr.

Ziołek / Jędrzejczak / Kołacki / Zieliński

https://tienlai.bandcamp.com/

https://milieulacphale.bandcamp.com/